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Argentinische Schweiz

Aktualisiert: 8. Juni 2020

Die Weihnachtszeit verbringen wir in und rund um Bariloche. Blaue, klare, kalte Seen und grüne Wälder sind der Inbegriff dieser Region. Leider entpuppt sich der so leicht gedachte Service in Argentinien als etwas schwieriger.


Das erste grössere Städtchen auf argentinischer Seite ist Esquel und wie angekündigt ist es unser Ziel, da den Service am Van in der Volkswagen Garage machen zu lassen. Aber eben… der VW Händler kann alle unsere benötigten Filter nur im 12er-Pack bestellen. Es stellt sich heraus, dass in Argentinien leider niemand einen VW-Diesel-Fahrzeug von unserem Typ fährt. So bleibt es beim Kauf von zwei neuen Reifen. Da dieser Tag auf unser 13-jähriges Jubiläum fällt, gönnen wir uns eine Nacht in einem Hostel. Aber am Morgen sind wir jedoch einer Meinung:

Mir vermisse üse Bus

Weiter geht es wieder in unserem Zuhause nach El Bolsón. Reiseführer und Blogs berichten, dies sei ein Hippiedorf mit vielen Wandermöglichkeiten in den Bergen und Hügeln am Ortsrand. Für einmal ist das Gebiet kein Nationalpark und alle Wanderungen können gratis unternommen werden. Wir machen uns also bei bestem und heissem Wetter auf zum Refugio Hielo Azul. Und die Wanderung geht so: Nach der Anmeldung bei den Park Rangers führt der Weg erst auf einer 4x4-tauglichen Strasse an der Río Azul runter und danach geht es einmal den Berg hoch – ohne Kurven und ohne Aussichtspunkte.

Wanderweg zum Refugio Hielo Azul von Wharton aus

Oben im Wald angekommen, steigen wir dann noch einmal etliche Höhenmeter in kürzester Zeit zum Refugio runter. Die Wanderung ist definitiv kein Highlight, aber die Gastfreundschaft der Familie im Refugio und ihr selbstgebrautes Bier heitern uns auf. Sie sagt uns dann aber auch erst hier, dass der Weg zum Gletscher wegen Lawinengefahr leider nicht offen ist. Unten wusste das anscheinend noch keiner der Park Rangers… Es ist eine kalte Nacht und wir verkriechen uns bald nach Sonnenuntergang in unserem Zelt.

Refugio Hielo Azul mit selbstgebrautem Bier

Geplant ist eine Übernachtung in einem weiteren Refugio, aber mangels Motivation eines weiteren Wandertages gehen wir die Rundwanderung am nächsten Tag in einem Stück. Dabei ist die Wegfindung wie von den Rangern angedeutet nicht immer ganz einfach und auch wir suchen immer mal wieder im Dickicht nach dem Pfad. Hundemüde kommen wir wieder auf demselben Camping an, den wir schon vor der Wanderung gefunden hatten und erholen uns im grünen Paradies am Ortsrand von El Bolsón inmitten von Pfauen, Hühnern und Hunden.

Am zweiten Tag sehen wir dann doch noch etwas in die Weite
Sehr wahrscheinlich kein Wanderweg
Fast geschafft - wir treffen wieder am Río Azul ein

Am nächsten Tag erholen wir uns in El Bolsón beim durchs Dorf schlendern und die vielen Köstlichkeiten auf dem lokalen Markt probieren.

Markt von El Bolsón

Etwas nördlicher befindet sich die Colonia Suiza. Ein Ort, der im Jahre 1895 von Schweizern aus Saxon gegründet wurde. Wir haben Glück und treffen just an einem Sonntag ein. Nur mittwochs und sonntags findet der Markt in diesem kleinen Örtchen statt. Es gibt Fondue und ein Häuschen mit allen Kantonswappen – nur das Freiburger Wappen können wir nirgends entdecken und auch Raclette suchten wir vergebens. Colonia Suiza und das Camping liegen an einem kleinen, blauen, klaren See namens Moreno der typisch für diese Region Argentiniens ist. Daher auch der Name Seengebiet.

Wer findet das Freiburger Wappen?
Frühmorgendliche Aussicht über den Lago Moreno von unserem Camping

Die zwanzig Kilometer nach Bariloche nehmen wir am nächsten Tag in Angriff und suchen natürlich erst den Volkswagen Händler auf. Sie können alle Filter bestellen – phu, erleichtert bezahlen wir und kriegen einen Termin für den 26. Dezember um 9:00 Uhr. Für Weihnachten haben wir uns mit den beiden Deutschen Armin und Marco, den englischen Autostöpplern Sarah und Tom sowie Lauras Cousine Rahel und Markus ein AirBnB gemietet. Wir haben nun also viel Zeit um Bariloche zu erkunden.


Erst sind wir etwas überfordert, denn Bariloche ist ein richtiger Touristenmagnet und im Städtchen wimmelt es nur so von Geschäften, Cafés, Autos und Leuten. Da uns ja auch noch ein Stossdämpfer kaputt ging, verbringen wir zwei Tage damit in Bariloche einen geeigneten Ersatz zu finden. Alle sind sehr zuvorkommend, nett und bestellen Teile. Nur leider passen diese nicht. Am Ende des zweiten Tages scheint es, als haben wir endlich eine Lösung gefunden und die Garage baut den neuen Stossdämpfer ein. Wie wir dann heraus finden handelt es sich leider keineswegs um das passende Modell und sie haben den Mercedes-Stossdämpfer kurzerhand verkehrt herum montiert, weil die Schrauben so passen.

Passt der Stossdämpfer?

Das Wetter ist in dieser Woche des Wartens sehr schön und wenn der Wind nicht bläst auch bereits ziemlich warm. Aber das der Wind nicht bläst, das gibt es eigentlich nicht. Wir quartieren uns auf einem Camping direkt am Lago Nahuel Huapi ein, der zwar ziemlich ausserhalb der Stadt liegt, aber wir geniessen die grossartige Aussicht jeden Tag.


Einen Tag wandern wir auf den Cerro Campanario – was für Bern der Gurten ist, ist der Campanario für Bariloche. Und auch der Aufstieg ist ähnlich. Für die die lieber nicht zu Fuss gehen, gibt es anstelle des Gurtenbähnlis einen Zweier-Sessellift inkl. Foto, wenn man oben ankommt. Wir entscheiden uns die 100 Höhenmeter zu Fuss zu gehen und werden oben mit einem wunderschönen Rundum-Blick über Bariloche und seine Seen belohnt.

Ausblick vom Cerro Campanario über den Lago Nahuel Huapi

An einem anderen Tag unternimmt Laura eine Rund-Wanderung auf den Cerro Godoy. Der Ausblick ist ziemlich derselbe wie vom Campanario, aber alles ganz ohne Menschen. Beim Aufstieg gibt es sogar einige Spitzkehren im Wald. Der Abstieg gestaltet sich dann jedoch wieder ganz in normaler argentinischer Manier – einmal gerade den Berg runter. Und durch das Dickicht des Waldes ist auch hier der Weg nicht immer sooo gut sichtbar, was drei Mal darin endet, dass man denselben Weg wieder hoch geht bis zum letzten sicheren Wegzeichen.

Auf dem Cerro Godoy (Godoy ist übrigens der Nachname der ersten Schweizer Siedler in der Colonia Suiza)

Gegen Ende Woche stossen Marco und Armin wieder zu uns und wir geniessen die Zeit mit den beiden beim gemeinsamen Essen, im eiskalten See schwimmen oder lesen. Als am nächsten Abend auch noch Rahel und Markus mit dem Bus von Puerto Montt in Bariloche eintreffen, ist die Weihnachts-Crew schon fast komplett. Den sonnigen Sonntag nutzen wir für eine Fahrt mit unserem Van um die Halbinsel Llao Llao, dem sogenannten Circuito Chico, welcher schöne Aussichten bietet.

Frühstück auf dem Camping

Am Montag können wir unser Zuhause für die nächsten vier Nächte beziehen und endlich treffen auch Sarah und Tom mit Bus ein. Wir fühlen uns auf Anhieb wohl in dem grossen, schönen Haus mit tollem Blick über den See. Sogar einen kleinen Weihnachtsbaum haben sie aufgebaut. Die nächsten Tage essen wir viel und sehr gut Spezialitäten aus allen vertretenen Ländern – es gibt zum Beispiel «Hörnli & Ghackets», Knödel, Fondue und Scones. Wir spielen, lesen, telefonieren mit den Liebsten zu Hause, waschen Kleider, putzen Autos und Motorräder, … Wir geniessen die Zeit mit diesen lustigen und inspirierenden Menschen enorm.

Aussicht aus dem AirBnB
Die Christmas-Crew
Und wieder Essen

Am letzten Tag raffen sich einige sogar für eine kleine Wanderung zum Refugio Berghof auf, was nach all dem Essen und Trinken genau das Richtige ist. Bei Bier und dem Ausblick über Bariloche lassen wir diese Tage ausklingen, bevor es am nächsten Morgen «Abschied nehmen» heisst. Und der fällt schwer, wissen wir doch nicht, wann wir alle wiedersehen. Rahel schreibt am nächsten Tag, es sei ein bisschen komisch gewesen wieder nur zu zweit unterwegs zu sein. Und so geht es uns auch, als wir unseren Van aus Bariloche raus- und wieder einmal in Richtung chilenische Grenze steuern.

Beim Refugio Berghof

P.S. Am 24. Dezember um 19:00 Uhr erreicht uns übrigens eine WhatsApp-Nachricht der VW-Garage: Damian. El filtro combustible este demorado. No tenemos fecha exacta… Zum Glück erreichen wir per Mail eine Garage in Osorno, Chile, die alle unsere Filter an Lager hat.


P.P.S. In Argentinien ist es ziemlich teuer Geld abzuheben. Man kann an Bankomaten oft nur 2000 Pesos abheben und bezahlt dafür eine Gebühr von über 400 Pesos. Eine viel günstigere Variante ist der Geldtransfer per Western Union. Oft ist der Kurs sogar deutlich besser als bei den Banken und die Transaktion kostet nur 3.90 CHF. Oder man macht es wie wir und bezahlt Auto-Ersatzteile mit der Kreditkarte, die dann nicht ankommen und erhält das Rückgeld in bar...

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