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Carretera Austral

Aktualisiert: 8. Juni 2020

Entlang dem glasklaren Río Baker mit dicht mit Wald bewachsenen Fjorden und durch kleine, verschlafene Orte geht es nordwärts. Mal auf Schotterpisten und mal auf top asphaltierten Strassen treffen wir neben der unglaublichen Landschaft bis Futaleufú immer wieder auf tolle Menschen.


Die Ruta Nacional 7 oder eben Carretera Austral startet südlich von Cochrane in Villa O’Higgins. Diesen ersten Teil lassen wir sein und für uns führt die Route am Ufer des Río Baker erstmal bis nach Río Tranquilo. Der Fluss hat eine unglaublich schöne türkise Farbe. Bei der Confluencia sehen wir dann auch wie diese entsteht. Der klare Río Baker fliesst mit dem milchigen Río Nef zusammen. Flussaufwärts gönnen wir uns bei Konaiken, einem süssen Familienbetrieb, einen fangfrischen Lachs und Hamburger direkt über dem Río Baker. Der Inhaber erzählt uns, dass bereits viele Schweizer bei ihm waren – er führt eine Strichliste seiner Gäste. Sie haben auch einige Cabañas und einen Steg in den Fluss. Er meint, wir können den gerne benützen und das Wasser sei acht Gard warm. Diesen klaren Fluss kann Laura sich (nach einigem Zögern am Ufer) nicht entgehen lassen.

Confluencia des Río Baker & Río Nef
Glasklarer, aber auch extrem kalter Río Baker

An unglaublich schönen Fjorden und klaren, durch die Windstille glatten Seen fahren wir weiter bis nach Río Tranquilo. Eine Einheimische meint, der Ort sei wie der Name es suggeriert, sehr ruhig. Wir wollen die berühmten Capillas de Marmol am nächsten Morgen mit dem Kajak erkunden. Auf dem Weg zum Camping pfeift es und wir treffen Armin und Marco wieder. So schnell und unerwartet sieht man sich wieder. Wir gönnen uns zur Feier des Tages ein Bier am Dorfstrand bevor sich unsere Wege wieder trennen.

Mit einem deutschen Paar und dem Kajak-Guide Ignacio erkunden wir am nächsten Morgen während drei Stunden die Felsformationen. Leider hat sich während der Nacht der Wind zurückgemeldet und wir gleiten zwar durch klares Wasser, aber eben mit Wellengang. Die Marmorfelsen sind schön anzusehen und es macht Spass, mit dem Kajak selbst bestimmen zu können, wo wir wie lange anhalten. Aber der Ort vermag uns nicht ganz so zu begeistern wie erwartet.


Wir setzen unseren Weg nordwärts fort und treffen am Ortsausgang auf Sarah und Tom, die eine Mitfahrgelegenheit suchen. Die beiden Engländer leben in London und haben zu Hause auch einen Bus. Die Unterhaltung gestaltet sich als ziemlich schwierig, da es im Van auf den Schotterstrassen unglaublich laut ist. Nach ein paar Kilometer erreichen wir eine Strassensperre. Die laufenden Bauarbeiten zwingen uns zu einer zweistündigen Pause, was den Austausch enorm erleichtert. Damian und Tom finden sogar einige gemeinsame Bekannte. Tom ist Filmemacher und hat bereits einige Snowboard-Filme gedreht. Und Damian kennt einige Namen und Gesichter aus seiner Zeit bei HEAD. Später fahren zwei Motorräder mit deutschen Nummern vor und Armin und Marco haben wieder aufgeschlossen. Armin meint, dass die plötzlich geteerten Strassen, den Charme der Carretera doch ziemlich trüben. Doch Damian ist da ganz klar anderer Meinung:

Teer vor Flair.

In Villa Cerro Castillo angekommen, wollen wir einen Wildcamping Ort finden. Sarah und Tom entscheiden kurzerhand mitzufahren. Auf einem Plateau über dem Río Ibañez entdecken wir den schönen, auf iOverlander angezeigten Ort. Wir verbringen einen wunderbaren Abend bei klarstem Himmel, unglaublichem Sternenhimmel und Sicht auf den Cerro Castillo. Und die Fairy Lights von Sarah und Tom sind das i-Tüpfelchen dieser märchenhaften Stimmung.

Wildcamping vor dem Cerro Castillo
Fairy Lights

Am Morgen taucht dann plötzlich ein Einheimischer auf der alle reihum fragt, ob er oder sie Spanisch spricht. Nach dem alle mit dem obligaten «un pocito» geantwortet haben, meint er, dass dies das Land seiner Mutter sei und wir 2000 Pesos pro Person bezahlen müssen. Nach einer kurzen Nachfrage wie viel genau waren es dann nur noch 1000 pro Person.

Armin, Marco, Sarah & Tom

Die beiden Engländer laden wir am nächsten Tag im Dorf ab, da sie einige Tage im Nationalpark des Cerro Castillo verbringen wollen. Wir setzen unsere Reise nach Coyhaique fort. Dies ist einer der grösseren Orte an der Carretera Austral und wir haben in einem Café endlich wieder einmal so gutes Wifi, dass wir die letzten Berichte hier inkl. Fotos raufladen können. Wir suchen einen Mechaniker auf, der sogar das Wort Zylinderkopfdichtung auf Deutsch weiss und erkundigen uns, was ein Service kosten würde. Er muss alle Teile aus Santiago kommen lassen und meint, dass wir gut noch 1000 Kilometer damit fahren können. Wir entscheiden uns daher, den Service im etwas günstigeren Argentinien und direkt bei einem offiziellen VW-Partner machen zu lassen.

Auf dem Camping am Ortsrand mit schönem Rasen, sauberen Toiletten und warmem Duschwasser (unser schönster Camping-Platz bisher) treffen wir wieder auf Armin und Marco. Nach einem Nachmittag an der Sonne, kaufen wir zwei Kilo Fleisch und Holzkohle ein und bereiten unser eigenes Asado zu. Die Camping-Hunde und -Katzen sind nach diesem Abend unsere besten Freunde.

Asado

Nach dem Rührei am nächsten Morgen lernen wir unsere Camper-Nachbarn mit Graubünden-Plakette kennen. Edith und Pete sind mit ihrem Wohnmobil auch seit diesem Herbst unterwegs (www.tschamutis.ch). Eigentlich ist es unser Plan heute weiterzufahren, aber als dann auch noch Sarah und Tom durchs Camping-Tor kommen, entscheiden wir uns kurzerhand um und bleiben noch eine Nacht. Wir verbringen den Tag beim Sünnele, Route besprechen und Weihnachten planen. Dazwischen gibt es auch immer wieder ein Bring-Sally-Up-Wettkampf. Da wir allen von unserem gestrigen Asado vorschwärmen, entscheiden wir uns dies zu wiederholen. Sogar die zwei Vegetarier haben Lust auf Fleisch.


Am nächsten Morgen haben wir keinen Stress und machen uns erst nach Mittag und einer weiteren kalten Dusche auf den Weg. Obwohl es warmes Wasser gibt, hat es Laura jeden Tag verpasst. Damian plant seine Warmwassermöglichkeiten bedeutend besser ein. Nordwärts ist die Landschaft gesäumt von violetten, rosa und weissen Lupinen und Kühen mit jungen Kälbern. Oft erinnert uns die Aussicht an die Schweiz. Auf halbem Weg warten Camille aus Frankreich und Baptiste aus Belgien am Strassenrand. Wir warnen sie, dass wir sehr langsam unterwegs sind. Die beiden steigen aber gerne ein. Nach einem kurzen Halt im nächsten Kaff wollen wir wieder losfahren, aber etwas fühlt sich komisch an: Wir haben einen platten Reifen. Zu viert montieren wir das Ersatzrad und fahren in die einzige Gomeria im Dorf. Der alte Mann flickt den Pneu innert kürzester Zeit und meint, dass er mit diesen noch maximal 500 Kilometer fahren würde. Wir planen den ersten Service nach unseren ersten 10'000 Kilometer ja schon seit längerem in Argentinien und nun scheinen da dann auch die Reifen überprüft werden zu müssen.

Platten Nr. 1
Gomeria

Auf iOverlander lesen wir von einem Wildcamping-Ort, an dem schon ganz viele vor uns Delfine gesichtet haben. Wir steuern diesen als Nachtlager an. Die beiden Backpacker wollen am nächsten Tag in den Queulat Nationalpark und wir auch, also bleiben sie gleich bei uns. Als wir eintreffen, fühlt es sich ein bisschen wie nach Hause kommen an, als wir Armin und Marco beim Nachtessen mit Barbara und Jochen von den nordfriesischen Inseln antreffen. Am nächsten Morgen, kurz bevor alle aufbrechen, sehen wir Delfine in der Bucht schwimmen. Was für ein Glück.

Sonnenuntergang in der «Delfinbucht»

Das Highlight des Nationalparks Queulat ist der Ventisquero Colgante, ein hängender Gletscher. Die meisten Autos und Motorräder, welche am Delfin-Ort übernachtet haben (der Spot ist nicht nur uns aufgefallen), steuern diesen an. Und es gibt ein Wiedersehen mit Lisa, Wolfi und dem kleinen Luis aus Österreich, welche wir auf dem Felsplateau beim Río Ibañez bereits kurz getroffen haben. Quasi als eine grosse Gruppe machen wir uns auf zum Aussichtspunkt des Gletschers hoch über der Lagune. Es ist ziemlich warm und wir sind nicht die einzigen, die sich für die Wanderung entschieden haben. Oben werden wir mit einer Aussicht auf den faszinierenden hängenden Gletscher belohnt. Ununterbrochen stürzt Wasser in einem Fall in die Lagune darunter.

Wanderfreunde Armin & Damian
Der hängende Gleschter - Ventisquero Colgante

Am Río Oeste finden wir einen super schönen Wildcamping-Platz, der jedoch nur durch mutige in einem VW Eurovan ohne 4x4 angefahren werden kann. Der Strand ist gesäumt von Schwemmholz und der Sand ist schwarz-weiss und karibisch fein. Nach einer kurzen Dusche im kalten Wasser und einem typischen Camping-Nachtessen mit Linsen-Gemüse in Tortilla-Wraps wird das Lagerfeuer gezündet. Der Mond scheint hell und der Abend am Wasser ist unvergesslich schön.

Abwasch beim Río Oeste
Lagerfeuer

Am nächsten Morgen reagiert die Wegsperrsicherung an Armins Motorrad nicht mehr und wir stellen uns bereits auf eine zweite Nacht an diesem Ort ein. Dieser fährt mit Marcos Motorrad ein Wifi suchen, um seinen Händler zu kontaktieren. Als er ohne Lösung zurückkommt, versuchen es die Männer, wie man dies bei eigentlich fast allen elektrischen Geräten mit Störung macht, sie starten sie neu. Und wie ein Wunder funktioniert plötzlich alles wieder und wir verlassen den schönen Platz doch noch. Bereits am Morgen sind Wolken aufgezogen und da die Wetteraussichten für Chaiten und den Pumalin Nationalpark nicht gut aussehen für die kommenden Tage, lassen wir diese Orte aus und fahren direkt nach Futaleufú. Da soll es das weltbeste Rafting geben und wir reservieren Plätze für eine Tour am nächsten Morgen.


Nach einer weiteren Nacht an einem schönen, klaren, grünen Fluss namens Río Espolón wird das Rafting wegen zu hohen Wassermassen am Morgen ohne Aussicht auf bessere Konditionen in den kommenden Tagen abgesagt. Wir verabschieden uns daher schneller als geplant von diesem kleinen Dorf und Chile und kreuzen nach dem Abenteuer Carretera Austral wieder die Grenze nach Argentinien.

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