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Deutschland und das Ende...

Aktualisiert: Jan 29

Ganz so dramatisch ist es nicht, aber Deutschland wird das Ende unserer Reise sein. Wir lernen die Meere, Seen, Vulkane und Geysire Deutschlands kennen und staunen immer wieder ob der grossen Vielfalt unseres Nachbarlandes.


Deutschland erreichen wir per Fähre; welche uns zu unserem Erstaunen völlig gratis nach Usedom bringt. Wir verbringen die erste Nacht in dem kleinen Dörfchen Kamminke, welches durch reetgedeckte Dächer und steile Gassen besticht. Corona holt uns langsam wieder ein und wir wollen ein Strandhaus mieten, um unsere nächsten Schritte zu planen. So ein richtig typisches Strandhaus soll es sein. Wir werden im grossen weiten Internet leider nicht fündig und einigen uns darum auf drei Nächte in Hamburg.

O nid schlächt.
Sicht vom Hafen Kamminke aufs Stettiner Haff

Auf dem Weg nach Hamburg geniessen wir eine windige Zeit auf der Insel Rügen. Dass wir nicht mehr in Südamerika unterwegs sind, merken wir auch daran, dass warm duschen zwar immer möglich ist, aber plötzlich 15 Cents pro 30 Sekunden kostet.


Wir sind beide zum ersten Mal an der deutschen Ostsee und wollen uns das Bad im klaren Wasser nicht entgehen lassen. Die kälter werdenden Temperaturen erleichtern das «Aus-dem-Dachzelt-klettern» am Morgen nicht und so raffen wir uns 30 Minuten vor Check-out endlich auf, um unser Vorhaben in die Tat umzusetzen. Ein bisschen verdutzt schauen uns die anderen Touristen und Fischer in ihren Jacken und Stiefeln an, als wir nur noch im Badeanzug vor ihnen stehen. Ein lustiges Bild soll sich ihnen kurz danach zeigen. Bereits im Wasser angekommen, fallen Damian plötzlich all die durchsichtigen Tierchen rundherum auf. Auch Laura erkennt die Quallen, will aber den Schwumm wegen diesen kleinen Kreaturen nicht einfach aufgeben. So können Zuschauer dem Spektakel «In-der-Ostsee-schwimmen-ohne-Quallen-berühren» verfolgen. Ob ein kurzer Dip als Bad in der Ostsee gilt sei dahingestellt, aber aufgrund der gefährlich nah rückenden Check-out-Zeit huschen wir rasch unter die warme Dusche und sind wieder on the road Richtung Hamburg.

An der Ostsee in Börgerende bei Rostock
Ostseestrand

Neben Rostock kommen wir auch in Wismar vorbei. Die Hansestadt erkunden wir zu Fuss. Besonders angetan hat es Laura die Schweinsbrücke mit ihren drei Schweinchen-Statuen. Ihren Namen hat die Brücke sehr wahrscheinlich aus dem Mittelalter, als die Bauern ihre Schweine über diese auf den Marktplatz getrieben haben.

Der geführte Bach «Grube» führt durch Wismar
Schweinsbrücke in Wismar

Hamburg begrüsst uns klischeehaft mit Regen. Matje zeigt uns auf einer Free Walking Tour die wichtigsten Steine und Orte der Stadt. Wir lernen, dass hier nicht nur der Zweite Weltkrieg sondern auch der grosse Brand 1842 viel zerstört hat. Weil Hamburg als freie Handelsstadt reich war, hatten sie nach beiden Rückschlägen genug Geld um Backsteine zu brennen, was das Stadtbild bis heute prägt. Richtig alte Häuser gibt es daher nur noch wenige. Matje zeigt uns die verbleibenden Kramer-Witwen-Wohnungen und die fünf Häuser an der Deichstrasse.

Kramer-Witwen-Wohnungen
Damian vor den Häusern an der Deichstrasse

Am nächsten Tag machen wir eine Hafenrundfahrt mit dem Linienboot 62 und bestaunen die grossen Containerschiffe und die Elbphilharmonie. Diese hat die Hamburger über 11mal so viel gekostet wie budgetiert und uns gefällt das spezielle Bauwerk, welches an eine Welle erinnert. Spannend ist auch der Vergleich von Fotos aus dem Jahr 2012, als Laura bereits einmal in Hamburg war. Nur das Fundament liess erahnen, was hier eines Tages stehen wird.


Wir geniessen die Tage in der Stadt und schätzen beim kühlen und regnerischen Wetter auch unser warmes Hotelzimmer. Aufgrund von Corona müssen alle Cafés und Restaurants konstant für Durchzug sorgen und es ist unmöglich sich bei einem Kaffee oder Essen aufzuwärmen.

Laura vor der Elbphilharmonie

Durchs «Alte Land» fahren wir weiter an die Nordsee. Bei 10 Grad und Regen stellen wir uns bei leckerem Fisch in Cuxhaven auf eine unangenehme Nacht ein, denn alle Unterkünfte inkl. Jugendherberge, die wir abchecken, sind ausgebucht. Auch der Campingbesitzer in Duhnen meint, dass wir nur zwei Nächte bleiben können. Am Samstag starten die Ferien und sie sind ausgebucht.


Wir fahren unseren Roomster auf den zugewiesenen Platz und nach einem ersten Blick auf das Wattenmeer kehrt bereits die Dunkelheit ein. Da der Camping auch keinen Aufenthaltsraum bietet, bleibt uns nichts anderes übrig, als auf den Vordersitzen Platz zu nehmen und unser Pick-nick zu verspeisen.

There's no place like home.
Luxus-Camper-z'Nacht

Oben im Dachzelt in unsere Schlafsäcke eingekuschelt versuchen wir eine geführte Wattenmeer-Wanderung für den nächsten Tag zu buchen. Alle werden entweder aufgrund zu weniger Anmeldungen nicht durchgeführt oder sind bereits ausgebucht. So bleibt uns nichts anderes übrig, als selber loszuziehen. Natürlich informiert sich Laura vorher genau, wie und wo man durchwandern kann und wie die Ebbe- und Flutzeiten momentan sind (am Strand hätte es übrigens auch überall Tafeln mit genau diesen Informationen).


Der Weg ist gut markiert und das Wetter meint es gut mit uns. Wir staunen über das sich immer weiter zurückziehende Wasser, die vielen Wattwürmer und beobachten Vögel, die die Gunst der Stunde für einen einfach Snack nutzen. Im Zeitplan nähern wir uns Sahlenburg und dem Festland. Von dem Teilstück, das nur noch Reiter hoch zu Ross überqueren hat Laura in keinem Blog und auf keiner Webseite etwas gelesen und wir werden doch noch bis zum Knie nass. Auf dem Rückweg wieder auf geteerten Pfaden können wir zuschauen, wie das Wasser wieder zurückfliesst. Ein tolles Erlebnis und Salzflecken auf Damians Wanderschuhe zeugen noch heute von der Wattenwanderung.

Wattenmeer bei Duhnen
Strandkörbe an der Nordsee

Deutschland führt nun die Innerdeutschen Risikogebiete ein und aufgrund unseres Hamburg-Besuchs müssen wir zu diesem Zeitpunkt bei einer Rückreise in die Schweiz in Quarantäne. Unsere Strategie: Wir checken täglich die Entwicklung in jeder Region die wir besucht haben und meiden die grossen Städte und Regionen mit erhöhten Werten. So fahren wir die Vulkaneifel an. Für diesen Teil der Eifel typisch sind die zahlreichen Maare (runde Seen), welche durch Vulkanaktivitäten geformt wurden.


Unser erstes Maar ist der Laacher See. Eine Schweizer Auswanderin hat uns am Vortag davon erzählt und auch erwähnt, dass man manchmal das Wrack eines Zweit-Weltkrieg-Bombers aus dem Wasser ragen sehe. Lange halten wir Ausschau, finden aber keine Hinweise darauf. Beim Nachlesen stellt sich heraus, dass das Wrack nach den ersten Nachkriegsjahren weiter runtergerutscht ist und seither nicht mehr zu sehen ist. Na ja, sie war auch schon ein wenig älter... Die Aussicht ist dennoch atemberaubend.

Am Laacher See auf der Suche nach dem Flugzeugwrack

Wo es Vulkane gibt, gibt es auch Geysire. Nach den Erfahrungen in Chile wollen wir den «Wallenden Born» oder «Brubbel» unbedingt sehen und fahren nach Wallenborn. Als wir ankommen, ist eine Fontäne von etwa einem halben Meter zu erkennen. Da wir wissen, dass der Geysir alle 30 Minuten eruptiert, gehen wir davon aus, dass dies das Ende der Vorstellung ist und warten das nächste Lebenszeichen ab. Und nach einer halben Stunde ist es so weit, aber viel grösser wird die Fontäne nicht. Bis zu vier Metern speit der Geysir an gewissen Tagen, bei unserem Besuch war er nicht ganz so motiviert.

Wallender Born - ein Kaltwassergeysir

Am nächsten Morgen machen wir uns auf eine Etappe des Lieserpfades. Dieser wird als einer der schönsten Wanderwege der Eifel oder gar Deutschlands beworben. Die 23 Kilometer führen der Lieser entlang durch den Wald. Wir treffen zum Glück noch auf einige andere Wanderer, die neben all den Bäumen auftauchen und etwas Abwechslung bringen. Ja, der Pfad ist schön, aber kommt nicht gegen eine Wanderung in den Bergen an.


Auf der Weiterreise machen wir einen Halt in Ulm und bestaunen bei Kaffee und Kuchen den über 160 Meter hohen Turm des Münsters. Weiter geht's nach Krumbach, wo wir Marco treffen. Gemeinsam fahren wir weiter ins Allgäu zu Armin und Mirjam. Die beiden erwarten uns bereits mit leckeren und hier typische Kässpatzen. Wir verbringen einen gemütlichen und schönen Abend, der so schnell vorbeigeht, dass wir nicht ein einziges Foto als Erinnerung haben.

Kaffe & Kuchen in Ulm

Da die Restriktionen immer härter werden und auch Freiburg als Kanton in Deutschland mittlerweile auf der Liste ist, warten wir die drei Tage in einem AirBnb ab, bis wir quarantänefrei in die Schweiz zurückkehren können. So endet unser Abenteuer auch diesmal früher als geplant.


Wir haben in dem Jahr «unterwegs» viel über uns und einiges über die Welt gelernt, Zeit in atemberaubender Natur verbracht, tolle Menschen kennengelernt sowie tolle Menschen zuhause vermisst und wieder getroffen.

Fue grandioso
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