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Die andere Seite des Parque de los Glaciares

Aktualisiert: 8. Juni 2020

Der Perito Moreno Gletscher gehört zum grossen Nationalpark de los Glaciares. Auch dazu gehören mindestens zwei weitere Highlights: die speziellen und weltbekannten Berggipfel Cerro Torre und Fitz Roy. Beide sind am besten aus dem Dorf El Chaltén erreichbar.


Wiederum fahren wir entlang des Ufers des Lago Argentinos – diesmal auf der anderen Seite in Richtung El Chaltén. Ein weiteres kleines Dorf, welches als Tor zum Nationalpark de los Glaciares fungiert. Wir haben einen super schönen Tag erwischt und die Berge sind auf der gesamten Hinfahrt durch keine einzige Wolke verdeckt und scheinen uns anzustrahlen. Auch die Temperaturen sind angenehm warm und zum ersten Mal kann man – wenn kein Wind weht – im T-Shirt draussen sein.

Anfahrt nach El Chaltén
Unglaubliche Berge

Luca und Anja, welche wir in El Calafate verpasst haben, treffen wir heute im Hostel an und können uns auch noch persönlich für den Regenjacken-Service bedanken. Gemeinsam verbringen wir einen Abend bei bestem Essen, Craft-Bier und argentinischem Wein. Die beiden sind auf einer dreiwöchigen Reise durch Argentinien und müssen am nächsten Tag früh raus.


Wir verbringen den nächsten Tag damit, uns genauer über den Huemul Trek zu informieren. Ich habe viele Blog-Einträge gelesen und möchte den Nicht-ganz-ohne-viertägigen Weg um den Cerro Huemul unbedingt am nächsten Tag in Angriff nehmen. Da man vor dem Start bei den Rangers mit Kletter-«Gstältli», Seil und Karte vorweisen muss, machen wir uns auf in das Ausleihcenter. Dieser versichert uns, was wir in unserem Wetter-Apps gesehen haben, nämlich dass das Wetter gut genug ist, um den Trek zu machen. Wir mieten die benötigten Utensilien und kaufen geeignete Lebensmittel für mindestens drei Nächte im Zelt ein.


In der Nacht kommt Regen auf, dieser klingt auch am Morgen nicht ab – genau wie erwartet. Als wir bei der Ranger-Station eintreffen, hat dieser jedoch eine andere Meinung. Er zeigt uns eine sehr detaillierte Vorschau des Wetters auf dem Paso del Viento – der Schlüsselstelle des Treks, welcher an Tag zwei überquert wird. Er meint, wir können den Rundweg schon in Angriff nehmen, aber er würde dies nicht machen. Vielleicht gäbe es Ende Woche – in vier bis fünf Tagen – wieder ein geeignetes Zeitfenster. Wir hören auf die Einschätzung des Experten und fahren zurück ins Dorf, um unser Equipment zurückzugeben.


Cerro Torre und Fitz Roy

Kurzerhand entscheiden wir uns, stattdessen für ein bis zwei Nächte im Nationalpark oberhalb El Chalténs zu verbringen. Zehn Kilometer stetig aufwärts gehen wir am nächsten Tag in Richtung Laguna Torre in der Hoffnung, die pittoreske Bergspitze von Nahem sehen zu können. Dieser verhüllt sich in Wolken, auch als wir unser Zelt auf dem Zeltplatz Agostini aufstellen und unser Nachtessen zubereiten. Kaum ist die Sonne untergegangen, wird es unglaublich kalt und wir verkriechen uns sehr früh in unserem Zelt.

Auf dem Weg zur Laguna Torre

Mein Wecker klingelt früh, um den Sonnenaufgang zu sehen und ich werde nicht enttäuscht. Obwohl der Gipfel des Cerro Torre sich wiederum in Wolken hüllt. In der Nacht hat es geschneit und die Berge darum wirken als seien sie mit Puderzucker überstreut worden. Diese spiegeln sich im klaren Wasser der Laguna Torre. Das Bild einzig durch einige Steine und Eisberge unterbrochen. Nach einer Stunde in bitterer Kälte freue ich mich, mich noch einmal ein bis zwei Stunden in den Schlafsack verkriechen zu können.

Der Cerro Torre versteckt sich in den Wolken

Nach einem späten Frühstück machen wir uns entlang den Lagunas Madre und Hija vorbei auf den Zeltplatz Poincenot am Fusse des Aufstiegs zur Laguna de los Tres vor dem Fitz Roy Massiv. Auf dem Weg verschleiert sich dieser auch konstant mit Wolken. Als wir unser Zelt neben mindestens zwanzig anderen aufstellen, lockert sich die Wolkenwand und gibt den Blick auf den Turm frei. Wir treffen Elvira und Deborah, zwei Schweizer Lehrerinnen am Fluss. Als wir meinen, dass wir den stündigen Aufstieg zur Laguna am morgen früh vorhaben, meinen sie das das Wetter für morgen nicht gut sei. Deborah und Damian sind wenig motiviert den Aufstieg noch an diesem Abend zu machen und so tun Elvira und ich uns zusammen und erklimmen die letzten Höhenmeter zur Laguna de los Tres. Diese ist noch gefroren und der Fitz Roy ist wieder in Wolken gehüllt. Die Aussicht müssen wir nur mit zwei weiteren Berggängern teilen und der Aufstieg hat sich definitiv gelohnt. Noch einen Hügel weiter und der Blick auf die Laguna Sucia (schmutzig) wird frei. Woher diese ihren Namen hat, ist uns unerklärlich. Denn der Bergsee leuchtet in dunklem türkis zwischen den grauen Steinen hervor. Wieder unten warten Deborah und Damian mit dem wohlverdienten Nachtessen auf uns, welches wir mit Blick auf den Fitz Roy geniessen.

Das Fitz Roy Massiv hinter der Laguna Sucia

Am Morgen klingelt mein Wecker trotz der schlechten Wettervorhersage wieder früh. Ich drehe mich noch zweimal und stehe dann doch auf, da ich keine Regentropfen auf dem Zeltdach vernehmen kann. Und was sehe ich: den Fitz Roy in rot-oranges Licht getaucht und dies gänzlich ohne Wolken. Das beste Licht ist jedoch durch die zweimal zu viel im Schlafsack umdrehen weg, aber trotzdem ist der Anblick atemberaubend.

Morgensonne an den Türmen

Auf dem Weg zurück nach El Chaltén ziehen die angesagten Wolken auf, zuerst schneit es und mit jedem Höhenmeter weniger, wird dieser nässer. Durchnässt bis auf die Unterhosen kommen wir im Dorf an und gönnen uns im Camping einen wärmenden Tee mit Facturas aus der Bäckerei nebenan. Am Tisch lernen wir Katya und Thomas aus Winterthur und Armin und Marco aus Deutschland kennen. Wir verbringen einen gemütlichen Nachmittag im Aufenthaltsraum und tauschen Geschichten aus. Katya und Thomas sind viereinhalb Monate unterwegs und haben bereits Teile von Kanada und jetzt Chile und Argentinien mit dem Camper durchreist. Armin ist auf einer maximal zwei Jahre und zwei Monate langer Reise mit dem Motorrad einmal um die Welt. Von Deutschland aus ist er bis nach Südafrika gefahren und jetzt mit seinem Sohn Marco von Buenos Aires über Paraguay nach Ushuaia und nun wie wir nordwärts unterwegs. Detaillierteres zu seiner Reise findet ihr auf seiner Webseite.


Am nächsten Morgen verabschieden wir uns von allen und wünschen Marco und seinem Wanderkollegen Simon aus Belgien viel Glück – sie nehmen heute den Huemul Trek in Angriff. Ein bisschen wehmütig bin ich schon, aber man kann nicht alles haben und wir starten den Van und fahren los. Beim Dorfausgang nehmen wir den Brasilianer Leo bis Del Lago mit. Er ist bereits durch ganz Brasilien «autogstöpplet» und seine Mission ist es, ganz Südamerika per Anhalter zu erkunden.

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