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Einmal Richtung Süden

Aktualisiert: 8. Juni 2020

Es gibt nur eine Richtung - südwärts mit dem Ziel das «Ende der Welt» zu erreichen. Ganz so weit sind wir noch nicht, aber versteinerte Bäume, Maras und das Treffen von verschiedenen Menschen sind spannend.


Von der Península Valdés machen wir uns auf nach Puerto Madryn um an einem Samstagnachmittag jemanden zu finden, der uns mit der verklemmten Sitzreihe weiterhelfen kann. Wir finden auf iOverlander (diese App nutzen hier fast alle, die mit einem Auto unterwegs sind und darauf sind Informationen wie Garagen, Polizeikontrollen, Campings oder wilde Camping-Orte von anderen Reisenden markiert und beschrieben) eine Garage, welche wir aber nicht finden können. An einer nicht geteerten Nebenstrasse fahren wir per Zufall einen anderen Shop an. Die Zeit, bis der Motor des anderen Autos geflickt ist, schlagen wir uns mit Lesen und beim Spielen mit den Hunden um die Ohren. Mit viel roher Kraft und noch mehr WD40 schaffen es die beiden und wir können unsere Sitzbank wieder ablegen und ausgestreckt schlafen.

Hörnli und Ghacktes à la Damian

Puerto Madryn scheint auf den ersten Blick aus dem Auto ein sympathisches Städtchen mit vielen Restaurants, Bars und Glacé Ständen zu sein. Ein wenig ausserhalb finden wir einen Platz auf dem ACA-Camping und zur Feier des Tages gibt es von Damian «Hörnli mit Ghacktem». Am nächsten Tag machen wir uns zu Fuss auf das Städtchen zu erkunden und unsere Weiterreise bis nach Ushuaia zu planen.


Zurück auf dem Camping fahren Kevin und Lars in ihrem Mercedes mit deutscher Nummer auf den Platz hinter uns. Sie sind mit dem Schiff von Hamburg nach Uruguay gekommen und ihr Ziel es bis im November 2020 Alaska zu erreichen. Wir verabreden uns, gemeinsam das Nachtessen zu kochen. Das Essen wird leider sprichwörtlich «vom Winde verweht» und ist nicht wirklich gemütlich. Aber wir werden die beiden in den nächsten Tagen noch öfters antreffen, gibt es doch praktisch nur eine Strasse in den Süden.


Der Weg Richtung Comodoro Rivadavia führt weiter durch die Pampa und hat nicht viel zu bieten. Zudem regnet es während einigen hundert Kilometern auch zum ersten Mal richtig. Wir stoppen kurz nach der Stadt in Rada Tilly, dem südlichsten Seebad der Welt. Der Ort ist an einer grossen Bucht gelegen, voller schöner Häuser und erinnert im Vergleich zu den anderen Orten ein wenig an die Amalfiküste. Auf dem Camping treffen wir zwei Biker aus Tschechien und Polen wieder, welche wir am Tag irgendwo überholt hatten. Sie meinen, dass es schon ziemlich kalt sei. Wir können uns nicht vorstellen, wie es ist, wenn man den Tag im Regen und auf schnurgeraden Strassen verbringt, auf denen einem die LKW-Fahrer mit viel zu kleinem Abstand überholen, und man am Abend bei wiederum kalten Temperaturen in sein Zelt kriechen muss und sind froh über das blaue Dach über unseren Köpfen.


Versteinerte Bäume

Am nächsten Tag fahren wir mit dem Ziel los, versteinerte Bäume im Nationalpark «Bosques Petrificados de Jaramillo» zu sehen. Auf der geteerten Ruta Nacional 3 biegt eine Schotterstrasse rechts ab, die einem nach 50 Kilometer zu unserem Ziel führt. Bereits nach wenigen Metern werden wir belohnt, denn zum ersten Mal sehen wir Maras, die ein wenig aussehen wie eine witzige Mischung aus Hase und Reh. Auf der Schotterpiste kreuzen uns drei Lastwagen - diese Strasse ist eine offizielle Verbindung zwischen der RN3 und RN40... Den Nationalpark erreichen wir nach 90 Minuten mühsamer Fahrt durch eine wunderschöne und abwechslungsreiche Landschaft mit vielen Guanacos, Maras, Vögeln und Gänsen.


Der Wärter erklärt uns in Spanisch, aber «despacio», was man hier sehen kann. Die Bäume mit einer Höhe von bis zu 100 Metern und einem Durchmesser von bis zu drei Metern sind vor Millionen von Jahren von Vulkanasche bedeckt worden. Durch den stetigen Druck kam es zu der Versteinerung und man könne heute unter dem Mikroskop noch jede einzelne Zelle sehen, meint der Ranger. Wir machen uns auf den kurzen Rundgang, nachdem er uns mehrmals darauf hingewiesen hat, ja nichts mitgehen zu lassen.

Kaum zu glauben, aber dieser Baum ist völlig versteinert

Der Weg ist gesäumt von vielen kleinen Holzsplittern - es erinnert uns an ein Feldschiessen - die aber eben versteinert sind. Und beeindruckend sind auch die riesigen Baumstämme, auf welchen wir noch jedes Astloch und jeden Lebensring erkennen können.

Lookout im Nationalpark Jamarillo

Südwärts

Da es bereits fortgeschrittener Nachmittag ist, als wir die 50 Kilometer Schotterpiste hinter uns lassen, bedeutet dies für uns eine weitere Nacht an einer Tankstelle. Für die Rückfahrt haben wir übrigens die Sitzbank nach unten geklappt - just in case.


Am nächsten Tag heisst es wiederum

hit the road jack.

Guanaco on the run auf einer der vielen geraden Strassen

Unterwegs treffen wir Kevin und Lars wieder an, die in ihrem Mercedes zwar deutlich schneller unterwegs sind als wir, aber öfter halten um zu filmen. Gegen Abend steuern wir ein Camping des Fischerclubs kurz vor Río Gallegos an - es ist wieder einmal Zeit für eine warme Dusche. Wir sind die einzigen Camper an diesem Abend, aber im kleinen Restaurant der Betreiberfamilie können wir Wasser und sogar ein Bier erstehen. Letzteres wird hier oft in Literflaschen verkauft und geteilt.

Das Aufstehen hat sich gelohnt: Sonnenaufgang beim Río Gallagos

Ziel des nächsten Tages sind zwei Grenzübergänge - einmal nach Chile und einmal wieder raus. Der erste Grenzübertritt mit Auto in einem fremdsprachigen Land - wir sind schon ein wenig nervös. Aber es läuft gut und alle notwendigen Stempel landen in unseren Pässen. Die Fahrt durch Chile ist kurz, aber lässt auf ein ebenso landschaftlich schönes Land hoffen, wie Argentinien es bisher ist. Mit der Fähre überqueren wir in 30 Minuten die Magellanstrasse und kurz darauf passieren wir schon die Grenze zurück nach Argentinien.


Unser Van auf der Überfahrt der Magellanstrasse

Hier treffen wir wiederum auf unsere deutschen Freunde, die mittlerweile einen Anhalter mitgenommen hatten. Lukas ist seit über einem Jahr unterwegs und kam von Polen an die Atlantikküste Europas, segelte über den Atlantik nach Mittelamerika, ging nordwärts Richtung Mexiko und dann alles wieder südlich bis nun bald ans Ende der Welt.

Und das alles mit stöpple.

Beeindruckend. Am Abend bilden wir an einem Strand kurz vor Río Grande einen kleine eigenen Campingplatz und verfolgen gespannt Lukas Erzählungen von Eingeborenen in Ecuador und seinem Plan die Welt westwärts weiter per Anhalter zu erkunden und werden von Lars in die Kunst des Mate-Tee-Trinkens eingeweiht.


Leider verliert unser Van seit einigen Tagen Kühlwasser und unser linkes Vorderlicht leuchtet nicht mehr mit voller Strahlkraft. Daher sitzen wir bald erneut in einer VW-Werkstatt und warten. Federico, ein 22-jähriger Autoverkäufer, der uns mit seinen Englischkenntnissen unterstützt hat, hat uns aber sofort einen Schlafplatz bei ihm zu Hause angeboten. Das Angebot nehmen wir gerne an, als es um kurz vor 20:00 Uhr heisst, dass sie die Lampe wechseln konnten, aber bei all ihren Tests kein Kühlwasser verloren ging.


So landen wir bei Federico (seinen Namen konnte ich mir dank der Miracoli-Webung bestens merken) und seiner Mutter Leticia zu Hause und geniessen die argentinische Gastfreundschaft bei Mate, Lamm und Fernet Branca mit Cola. Als wir um 01:30 Uhr morgens - ungewöhnlich spät für unseren dem Sonnenstand angepassten Rhythmus - ins Bett kriechen, geht es für Federico und seine Freunde erst richtig los. Sie ziehen bis in die späteren Morgenstunden durch die Discos.

Damian trinkt Fernet Cola wie das die Jungen in Argentinien anscheinend machen - keine Angst, der Behälter wird rumgereicht

Leticia und Federico - unsere tollen Gastgeber in Río Grande

Federico treffen wir am Morgen um 09:00 Uhr wieder zum Kaffee und laden ihn später bei seinem Arbeitgeber ab. Denn,

wär cha Party mache, cha o ufstah

scheint auch hier zu gelten. Wir nehmen darauf die letzten knapp 200 Kilometer bis nach Ushuaia auf uns.

Empanadas sind ein super leckerer Snack für unterwegs

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