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El Norte Grande

Aktualisiert: 8. Juni 2020

Im Norte Grande Chiles erleben wir rund um San Pedro de Atacama wiederum eine unbeschreiblich schöne Natur, fahren an der Küste durch Grossstädte mit eigener Düne und schlendern durch längst verlassene Minendörfer.


Kurz nach der Grenze auf dem Paso de Jama parkieren wir unseren Freddy auf über 4200 Metern über Meer in der Nähe der Laguna Aguas Calientes I und bestaunen den pinken Sonnenuntergang, der nicht der letzte sein soll. Nach der Puna gut akklimatisiert schlafen wir wunderbar. Am Morgen merken wir aber schnell, dass Freddy die Höhe etwas weniger gut bekommt und er etwas Anschubhilfe benötigt um auf Touren zu kommen.

Weisheit des Tages: Es brucht es ganz angers Fitnesslevel um e Van uf über 4000 Meter adsschiebe...
Sonnenuntergang über der Laguna Aguas Calientes I auf über 4200 Metern über Meer

Alles läuft wieder einwandfrei und wir machen uns an den Abstieg nach San Pedro de Atacama. Neben einem Jeep winken uns plötzlich zwei Menschen ganz aufgeregt zu. Die beiden Engländer haben ein Auto gemietet und der Motor hat am Vorabend neben der Strasse einfach den Geist aufgegeben. Es ist bereits nach zehn Uhr morgens und wir sind dir ersten die helfen können. Die einzigen anderen Vorbeifahrenden waren Lastwagenfahrer auf dem Weg nach Argentinien, die ihnen aufgrund des kilometerweiten Funklochs auch nicht weiterhelfen konnten.


Klar nehmen wir die beiden nach San Pedro mit und erfahren auf dem Weg, dass sie sich nach fünf Monaten auf dem Pacific Crest Trail (4279 Kilometer mit gerade Mal elf Tagen ohne wandern...) in Patagonien erholt haben und nun noch die Wärme Chiles geniessen. Wir fahren entlang von Lagunen, unzähligen Vulkanen und einem umgekippten Lastwagen voller Occasion-Autos. Im Ort angekommen setzen wir die beiden beim Europcar-Office ab und suchen eine Bleibe für die nächsten Nächte. Gesucht, gefunden und ab geht es in die Franchuteria. Die Bäckerei wurde uns von Sarah und Leo, welche vor einigen Monaten auf ihrer eigenen Reise da vorbei gekommen sind, wärmstens ans Herz gelegt. Und wir werden nicht enttäuscht, das knusprige Baguette schmeckt köstlich.


San Pedro de Atacama ist ein kleines Dorf, welches durch den Tourismus enorm gewachsen ist. Uns gefallen die engen, staubigen Strassen voller Agenturen, die alle dasselbe anbieten, und vielen Restaurants und noch mehr Unterkünften in allen Preislagen nicht. Nach der Abgeschiedenheit der Puna sind wir auch von der Masse an Touristen etwas überfordert.


Ganz in der Nähe des Ortes steht das Observatorium ALMA (Atacama Large Millimeter/submillimeter Array). Jedes Wochenende werden öffentliche Touren für Interessierte angeboten. Diese scheint es in Massen zu geben, denn die Touren sind bereits Monate im Voraus ausgebucht. Aber gut sind Menschen nicht immer zuverlässig und es werden regelmässig last minute Plätze frei. Wir lesen, dass man sich dafür ab etwa 7:30 Uhr (der Bus fährt um 9:00 Uhr ab) an der Bushaltestelle einfinden muss. Als wir am Busstopp auftauchen, treffen wir auf zwei Österreicher, die noch früher aufgestanden sind. Um kurz vor neun Uhr werden die Namen der Angemeldeten aufgezählt. Viele Leute sind nicht da und trotzdem hat es sich gelohnt, etwas früher aufzustehen, denn ganz alle schaffen es nicht in den Bus, der uns in die 50 Kilometer entfernte Operations Support Facility (OSF) fährt.

Die Guides führen uns auf dem Gelände herum und erklären, was ein Millimeter/submillimeter Array eigentlich ist. Es handelt sich um das weltweit grösste Radioteleskop, mit dem man nach unserem kosmischen Ursprung sucht indem zum Beispiel die Sternentstehung oder Molekülwolken erforscht werden. Die 66 Teleskope mit einem Durchmesser von zwölf Metern empfangen dabei Wellenlängen von 0,32 bis 3,6 Millimetern. Die Teleskope können einzeln verschoben und so einigermassen flexibel angeordnet werden, der Maximalabstand beträgt dabei 16 Kilometer. Dadurch können die Forscher einen gigantischen Zoom-Effekt erzielen. In der OSF, in der wir uns befinden, werden die Informationen von Wissenschaftlern aus der ganzen Welt übersetzt und durch verschiedene Forschungsprojekte in Bilder umgewandelt.

Eines von sechsundsechzig Teleskopen von ALMA

Die Atacama-Wüste, genauer das Chajnantor-Plateau auf einer Höhe von bis zu 5044 Metern, wurde als Standort hauptsächlich wegen der geringen Luftfeuchtigkeit (siehe auch hier), aber auch wegen der Höhe und der Nähe zum Äquator ausgewählt. Wir besuchen ALMA im Februar, was in dieser Region der feuchteste Monat ist und daher dazu genutzt wird, die Teleskope zu warten. Das Plateau dürfen Besucher auch in anderen Monaten nicht betreten, aber wir sehen so eine riesengrosse Schüssel dafür aus nächster Nähe.


Die beiden Österreicher Nicki und Peter haben einen SUV gemietet und laden uns nach der Tour ein, mit ihnen das Valle de Marte/de la Muerte zu besuchen. Zu viert bestaunen wir die bizarren Steinformationen, bevor wir den spannenden Tag beim orange bis pink schimmernden Sonnenuntergang über dem Valle de la Luna ausklingen lassen.

Valle de Marte oder de la Muerte
Damian, Nicki & Peter über dem Valle de la Luna
Sonnenuntergang über dem Valle de la Luna

Nach einer kurzen Nacht treffen wir die beiden um fünf Uhr in der Früh wieder und Peter chauffiert uns im Dunkeln souverän die 90 Kilometer bis zu den Geysiren Tatio auf über 4000 Meter. Alleine sind wir nicht, sind wir doch als Teil einer langen Karawane von weissen und roten Lichtern hier hochgefahren. Die Dämmerung bricht an und wir gehen vorbei an blubbernden Schlammpfützen und staunen ab den Wasserfontänen die da und dort aus dem Boden schiessen und sich durch die Nebelwolken verraten. Bevor die ersten Sonnenstrahlen den Ort erreichen ist es richtig kalt und wir wärmen uns bei einem Avocado-Brot im Auto auf, bevor uns der Sonnenaufgang ein Naturschauspiel beschert. Die heissen Wassertropfen welche aus der Erde spritzen, glänzen in der Sonne und die Nebelschwaden spiegeln sich im Wasser. Und plötzlich sind da auch keine Leute mehr - alle Tourenanbieter sind zum nächsten Highlight gefahren - und wir haben diesen speziellen Ort beinahe für uns alleine. Als Abschluss wagen wir ein Bad im warmen Wasser der Geysire und wollen gar nicht mehr raus an die kalte Luft.

Sicht auf das Geysir-Feld Tatio
Früh morgens vor den Geysiren
Naturschauspiel
Unglaubliche Natur
The crew

Auf dem Weg zurück nach San Pedro treffen wir auf die für diese Region typische Landschaft von braunen Grasbüscheln, Lagunen, Flamingos und Vicuñas. Als nächstes wollen wir die Lagunen Escondidas de Baltinache besuchen. Auf einer unbequemen Schotterpiste steuern wir die sieben unglaublich blauen Salzseen an. Das Wasser ist extrem salzhaltig und wie im Toten Meer schweben wir an der Wasseroberfläche. Wir nutzen die letzte Chance auf eine Dusche um uns vom Salz zu reinigen und fahren zurück nach San Pedro, wo die beiden Tage bei einem gemeinsamen Bier und Nachtessen zu Ende gehen und wir uns vorerst voneinander verabschieden.

Zwei der sieben Lagunas von Escondidas de Baltinache
Peter, Nicki & Laura schweben in einer anderen Lagune
Salzig?

Unsere Reise geht von der Wüste Atacamas runter an die Pazifikküste Chiles. Unglaublich massiv wirkt die Bergkette, die sich nur wenige Meter von der Küste entfernt bis zu 2000 Metern in die Höhe erstreckt. Wir finden einen schönen Wildcamping Platz für die Nacht direkt am Meer. Ab und zu besucht uns ein Seelöwe oder Pelikan. Am nächsten Tag folgen wir der Küste weiter bis in die Stadt Iquique, deren Düne uns schon von Weitem ins Auge sticht. Der Strasse folgend, gewinnen wir am Hang der Düne aufsteigend wieder an etlichen Höhenmetern.

Perfekter Wildcamping Spot am Pazifik in Chile
Iquique: Sanddüne & Stadt

Später erreichen wir Humberstone, ein ehemaliges Salpeterwerk, welches 1872 von Peru ins Leben gerufen wurde. Während dem Salpeterkrieg ging die Region 1883 an Chile über. Chile profitierte danach vom weltweiten Nitratboom, bis zwei deutsche Chemiker in den 1920er Jahren die Ammoniak-Synthese entwickelten. Die geringere Nachfrage endete 1961 in der Schliessung des Werkes. Mittlerweile ist der Ort ein UNESCO Weltkulturerbe und Touristen können die Geisterstadt als Freilichtmuseum besuchen:

Ds Ballebärg vo Nordchile sozsäge.
Oficinas Humberstone
Verlassene Fabrik

Nach diesem surrealen Erlebnis führt uns unser Weg immer näher an die bolivianische Grenze. Noch einmal geniessen wir die wunderschöne und abwechslungsreiche Bergwelt Chiles, bevor wir uns bereits vom nächsten Land auf Weiteres verabschieden.

Nos vemos Chile.
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