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Pampa und Península Valdés

Aktualisiert: 8. Juni 2020

Mit dem geflickten Van geht es weiter von der eintönigen Pampa mit kilometerlangen schnurgeraden Strassen zum Naturparadies Península Valdes.


Es stellte sich heraus, dass die Pumpe des Kühlwassers ihre Dienste erfüllt hatte und ausgewechselt werden musste. Die zwei Tage, die die Diagnose und Reparatur in Anspruch nimmt, verbringen wir im unspektakulären Bahía Blanca damit, durch gefühlt jede Gasse mindestens einmal zu gehen und alle guten Kaffees abzuklappern. Dabei treffen wir in einem solchen auch den ersten Argentinier, der liebend gern mit uns sein Englisch testet. Die Nächte verbringen wir auf einem windigen Parkplatz neben einer Tankstelle, da der einzige Campingplatz der Stadt geschlossen ist. Ausser, dass der Wind das mit dem Kochen auf einer Gasflamme ziemlich unmöglich macht, sind die Nächte erstaunlich angenehm und ruhig.


Als wir am zweiten Tag in die Garage zurückkehren, war es bereits ein bisschen wie ein nach Hause kommen. Nadia und die Mechaniker-Jungs sind alle extrem nett und trotz den Sprachbarrieren können wir uns verständigen. Und wie es sich hier gehört, wird man spätestens beim zweiten Gruss von allen geküsst. Als wir gegen Abend losfahren können, sind wir sehr erleichtert, als die Nadel der Kühlwassertemperaturanzeige auch bei über 100 km/h nicht weit über die 90° Marke ansteigt.


Weiter geht die Reise in Richtung Süden mit dem Ziel Península Valdés. Die Rutas Nacionales führen einem dabei auf zum Teil kilometerlangen schnurgeraden Strecken vorbei an dem stetig gleichen Bild: Kühe, Guanacos und Schilder von Estancias, die auf Schotterpisten bis zu 40 Kilometer von der Strasse entfernt liegen. Nach einer weiteren Nacht an einer Tankstelle, die wir zwischen vielen grossen LKWs verbringen, halten wir in Playas Doradas. Leider sind wir auch hier auf dem Camping, wenn nicht sogar im ganzen Ort, alleine. In der Hauptsaison scheint dies aber ein beliebter Ort für Feriengäste zu sein.

Laura am Punto Pirámides

Península Valdés

Am nächsten Tag fahren wir auf die Halbinsel Valdés. Der Nationalpark auf der 3625 km² grossen Insel gehört seit 1999 zum UNESCO Welterbe. Kurz nach dem Parkeintritt quert auch schon ein Piche, ein Zwerggürteltier, die Strasse. Und von Weitem sehen wir zum ersten Mal pinke Flamingos im Wasser stehen. Kurz vor dem einzigen Dorf auf der Halbinsel nehmen wir eine Schotterpiste zum Punto Pirámides.

Bereits beim Aussteigen aus dem Bus schlägt einem ein unglaublicher Gestank entgegen. Kurz darauf sehen wir den Grund: hunderte von Seelöwen und See-Elefanten, die sich auf den Felsen sonnen und im Wasser spielen. Zu unserem Vergnügen geben sie auch unablässig lustige Laute von sich, so als würden sie sich unterhalten.


Seelöwen und See-Elefanten am Punto Pirámides

Das Dorf Puerto Pirámides ist ein kleines Fischerdorf, welches auch durch den unentwegten Tourismus nicht gross gewachsen zu sein scheint. Es gibt eine Tankstelle, einen kleinen Supermarkt, ein Camping, einige Restaurants und einen Hafen. Der kleine Ort ist uns sofort sympathisch, auch weil wir zur Abwechslung nicht ganz die einzigen sind.


Die Halbinsel erkunden wir am nächsten Tag auf eigene Faust. Der erste Halt machen wir am nördlichen Aussichtspunkt von Punta Cantor, wo wir Magellan Pinguine beobachten. Einige schwimmen im Meer, viele brüten ihre Eier aus und einige sonnen sich mit nach dem Wind ausgerichteten Schnäbeln.

Magellan Pinguin am Punta Cantor

Im Besucherzentrum sagte man uns am Vortag, die beste Chance Orcas zu sehen sei jeweils zwei Stunden vor und nach dem Meereshöchststand. Da dieser um 12:00 Uhr für den Punta Cantor angesagt ist, treffen wir um 11:00 Uhr am südlichen Aussichtspunkt ein. Von der Küste beobachten wir wiederum See-Elefanten meist beim faulen auf der Haut liegen. Wie angesagt, erblicken wir um 11:55 Uhr die ersten schwarzen Rückenflossen im Meer und eine ganze Orca-Familie zieht an uns vorbei. Sie kommen auch sehr nah am Strand vorbei, aber scheinen keinen Hunger zu haben, lassen sie doch die faulen Seelöwen und See-Elefanten links liegen. Damit hatten wir nicht gerechnet und können unser Glück kaum fassen.


Weiter geht es an den Punta Norte. Dort treffen wir wiederum auf See-Elefanten am Strand und können die riesigen Männchen bei Machtkämpfen um ihre Harems beobachten. Orcas tauchen hier keine mehr auf, aber dafür können wir einen Wal weit im Meer draussen bei seinen Sprüngen beobachten.

See-Elefanten am Punta Norte

Wieder zurück in Puerto Pirámides bemerken wir sofort die rund 200 Kilometer Schotterpiste, die wir unserem Van zugemutet haben. Alles ist staubig und muss erstmal gründlich gereinigt werden. Die zweite Konsequenz bemerken wir erst beim Herrichten unseres Bettes - das ständige und zum Teil doch recht starke Rütteln liess den Klapp-Mechanismus der Sitze klemmen. Auch mit viel WD40 geht nichts und uns bleibt nichts anderes übrig als quer im Bus zu schlafen.


Ein Highlight wartet aber noch auf uns: Beim Abwaschen trafen wir auf Werner, welcher mit seiner Frau Silvia in einem umgebauten LKW auf einer langen Reise ist. Sie fielen uns auf im Nationalpark bereits aufgrund ihres Luzern-Nummernschildes auf. Auf seine Einladung schauen wir noch kurz in ihrem, im Vergleich zu unserem kleinen Van, Riesen-Automobil auf ein Glas Wein vorbei. Die beiden sind pensioniert, haben ihr Haus verkauft, beide das Camion-«Permi» gemacht und wollen für ca. drei Jahre unterwegs sein. Unter www.expi.ch seht ihr welche Länder die beiden bereits bereist haben und könnt ihr Gefährt bestaunen.


Trotz den konstant angezogenen Beinen schlafen wir gut und können uns am Morgen frisch-fröhlich auf den Weg nach Puerto Madryn machen um erneut eine Garage aufzusuchen, die uns weiterhilft.

Strand am Punta Norte
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