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Polen

Aktualisiert: Jan 29

Ohne Erwartungen fahren wir nach Polen und werden überwältigt von schöner Natur, denkwürdigen Bauten, historischen Schicksalen, sympathischen Menschen und vielen tollen Kaffees.


Vom höchsten Berg Tschechiens fahren wir direkt nach Wrocław ([ˈvrɔt͡swaf] ausgesprochen, keine Angst auch wir schaffen das immer noch nicht richtig) oder Breslau. Die Stadt der Zwerge gefällt uns auf Anhieb sehr gut. Dies ist zu einem nicht unwesentlichen Teil auch dem angenehm warmen Wetter geschuldet. Die kleinen Zwerge-Statuen finden ihren Ursprung in den 80er-Jahren, als sie durch die politische Opposition als Kritik am kommunistischen Regime zum Einsatz kamen. Mittlerweile gehören die süssen Kerle in allen Grössen und Situationen zum Stadtbild und bei einem Spaziergang durch die Stadt treffen auch wir immer wieder auf neue Kreaturen.

Ein Zwerg neuern Datums

Wie viele Städte in dieser Region wurde die Altstadt während dem Zweiten Weltkrieg zu grossen Teilen zerstört. Die meisten Gebäude am Marktplatz scheinen historisch zu sein, das letzte von ihnen wurde aber erst 1993 wiederaufgebaut. Und das am neuesten anmutende Gebäude ist in Wahrheit das Älteste auf dem Platz. Wrocław gehörte zu vielen verschiedenen Königreichen, wobei die Bevölkerung mehrheitlich deutschsprachig war. Als die Stadt 1945 polnisch wurde, wurde die gesamte deutsche Bevölkerung deportiert und durch polnische Neubürger besiedelt.

Das Rathaus von Wrocław
Der grosse Ring oder Marktplatz in Wrocław mit den historischen, neuen Häusern
Aussicht von der Brücke der Büsserinnen der Magdalenenkirche
Die Gaslaternen werden jeden Abend von Hand angezündet
Das Projektil einer Granate zeugt von der historischen Vergangenheit

Eine Stadt, die Damian unbedingt besuchen will, steuern wir als nächste an: Łódź ([wut͡ɕ] oder Lodsch). Grund ist dieser Song. So sei es... In der Stadt ist an diesem Freitag nicht viel los. Wir schlendern durch die Piotrkowska-Strasse - die Hauptstrasse ist 4,2 Kilometer lang und es reihen sich Restaurants, Hotels und Läden aneinander. Wir finden viel Street Art, wie die Mosaik-Spiegel-Nebenstrasse, trinken Kaffee in einem hippen Café und bestaunen die schönen Backsteingebäude der Manufaktura - einem riesigen Einkaufscenter. Viel mehr bietet die Industriestadt nicht und es zieht uns weiter.

Ulica Piotrkowska
Eine Nebenstrasse voller Spiegel-Mosaik
Backsteingebäude der Manufaktura

In Warschau verlieben wir uns auf den ersten abendlichen Blick nicht. Die grosse Stadt ist grau, laut und versprüht keinen offensichtlichen Charme. Dieses Bild ändert sich am Morgen nicht, denn unser Bolt-Fahrer will einfach nicht auftauchen. Mit der U-Bahn schaffen wir es nicht mehr pünktlich zum Treffpunkt der nächsten Free Walking Tour und so verschieben wir diese auf den Nachmittag. Wir wollen stattdessen das Gefängnismuseum Pawiak besuchen. Dieses ist aber wegen Corona an diesem Tag geschlossen. Bestaunen können wir jedoch die Bronze-Statue auf dem Vorplatz. Sie zeigt die Kopie der berühmten Ulme, auf der die Familien der Opfer (hauptsächlich politische Gefangene, drunter Männer, Frauen und Kinder) Gedenktafeln angebracht haben.

Bronze-Ulme mit Gedenktafeln

Im grauen Glanz des Nachmittags wirkt Warschau dann doch noch freundlicher. Dies liegt sicherlich auch an der Tour, auf welcher wir wieder viel lernen. Die Innenstadt der polnischen Hauptstadt wurde während des Zweiten Weltkriegs zu 90 Prozent zerstört. Beim Wiederaufbau halfen die Bilder eines italienischen Malers, welche die Stadt vor dem Krieg wahrheits- und detailgetreu festhielt. Der Wiederaufbau wurde von den einheimischen Menschen stark unterstützt. Noch heute zeugen Fingerabdrücke an den Backsteinen davon, die bei der Herstellung von Hand in die Ziegel gedrückt wurden.


Am Geburtshaus von Marie Curie lernen wir, wie das chemische Element Polonium zu seinem Namen kam. Durch eine Teilung zwischen dem Kaiserreich Russland, den Habsburgern und Preussen verschwand Polen von 1795 bis 1918 von der Landkarte. Als Pierre und Marie Curie das radioaktive Element 1898 entdecken, setzen sie mit dem Namen ihrem Heimatland ein Denkmal.

Marktplatz und Zentrum der Altstadt
handmade - Fingerabdrücke auf den Backsteinen einer Kirche

Und mit Backsteinen geht es weiter. Nördlich von Warschau, beinahe an der Ostsee, liegt die grösste Backsteinburg der Welt: Malbork. Da ein Montag ist und an Montagen alle staatlichen Museen geschlossen sind, können wir die Burg nur ausserhalb besichtigen. Aber bei der Grösse, reicht uns das auch. Das stattliche Bauwerk konnte in seiner Geschichte nie eingenommen werden. Erst die Luftangriffe des Zweiten Weltkriegs hinterliessen Spuren. Beim Wiederaufbau wurden Steine in anderen Farbtönen benutzt, wodurch die Zerstörung auch heute noch ersichtlich sind.

Die Burg von Malbork (deutsch: Marienburg)

Der Zweite Weltkrieg begleitet uns am nächsten Ort, Gdańsk (deutsch: Danzig) weiter. Im Gegensatz zu Warschau, gefällt uns Gdańsk auf Anhieb sehr gut. Die schönen Gassen, die Lage an der Ostsee und die bewegende Vergangenheit tragen ihren Teil dazu bei.


In Danzig startete der Zweite Weltkrieg durch den Angriff der deutschen Wehrmacht offiziell. In einigen Gassen zeugen noch existierende Vorterrassen ohne Häuserreihen im Hintergrund von der Zerstörung, die diese Stadt hinnehmen musste. Bevor wir uns im Museum des Zweiten Wetlkriegs tiefer mit dem Thema beschäftigen, lassen wir es uns bei frischen und handgemachten Pierogis gut gehen. Die gefüllten Teigtaschen sind ein Nationalgericht und schmecken sehr lecker.

Die Innenstadt von Gdańsk
Spiegelung in der Motława
Die noch existierenden Vorterrassen zeugen von einer ehemaligen Häuserreihe, die noch nicht wieder aufgebaut wurde

Gemäss unseren Recherchen soll man drei Stunden Zeit für das Museum einrechnen. Wir schaffen es in den dreieinhalb Stunden vor der Schliessung knapp bis in die Hälfte der Ausstellung. Das Museum ist extrem gut und spannend aufgebaut, die zahlreichen persönlichen Erzählungen von Betroffenen und die expliziten Bilder gehen jedoch sehr nahe.


Als Abschluss unserer Weltkriegs-Auseinandersetzung besuchen wir am nächsten Morgen das Denkmal auf der Halbinsel Westerplatte. Hier lagerten die Munitionsvorräte der polnischen Armee, als diese am 1. September 1939 von der deutschen Wehrmacht angegriffen wurde.

Ruinen auf Westerplatte

Wir verlassen die denkwürdigen Orte und erkunden die Ostsee-Küste. Wir fahren entlang der schmalen Halbinsel Hel, welche ein Kite- und Surfparadies ist. In Łeba radeln wir durch Moos-bewachsene Wälder zu den wandernden Dünen. Auf dem Weg nach Deutschland, halten wir im süssen Städtchen Kołobrzeg und essen zum Polen-Abschluss wunderbare Fish & Chips inklusive Meerbrise.

Bei den wandernden Dünen von Łeba

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