• worldever

Tschechische Republik

Aktualisiert: 3. Nov 2020

Das Land der vielen UNESCO-Welterben begeistert uns mit seinen Burgen und toller Natur. Wir sehen eindrückliche Felsformationen, ein skurriles Ossarium mit Skeletten von 40'000 Menschen und stehen auf dem höchsten Punkt der Tschechischen Republik.


Stünde nicht ein österreichisches Polizeiauto an diesem Ort und würde Maps.me anzeigen, dass wir eine Grenze überqueren, wüssten wir nicht, dass wir in der Tschechischen Republik gelandet sind. So fahren wir auf einem Feldweg in ein neues Land. Durch den Tipp von Marketa, einer Tschechin die Damian während seiner Zeit bei adidas kennenlernte, stoppen wir nach wenigen Kilometern in Rosenberg (den tschechischen Namen Rožmberk nad Vltavou können wir leider nicht aussprechen). Von der Burg bietet sich ein wunderschöner Ausblick über das kleine Dörfchen. Der Ort wirkt ausgestorben und wir treffen nur auf zwei Tschechen die sich die Burg anschauen und auch der einzige Geldautomat funktioniert nicht. Zum Glück nimmt der Camping auch Euro als Zahlungsmittel entgegen.


Die Nacht verbringen wir am Moldaustausee, wo wir zum ersten Mal froh sind um unsere warmen Schlafsäcke. Am nächsten Morgen fahren wir nach Krumau (Český Krumlov). Das historische Zentrum der Stadt ist, wie noch vieles das kommen wird, ein UNESCO-Welterbe. Mit vielen einheimischen Touristen erklimmen wir den Hügel zur Burg. Das eindrückliche Bauwerk mit einem riesigen Schlossgarten bietet einen tollen Ausblick über die Moldau und das Städtchen.

Bereits in Italien war die Kommunikation mit unserem nicht vorhandenen Italienisch schwierig, hier ist das noch einmal eine ganz andere Geschichte. Das Mittagessen können wir sogar auf Deutsch bestellen, da dies neben Englisch in den Schulen gelernt wird.

Sicht auf die Burg von Český Krumlov
Sicht auf Český Krumlov und die Moldau

Am Abend parken wir den Skoda an einem schönen See mitten im Wald. Im Gegensatz zu Südamerika haben wir hier keinen Kühlschrank dabei. Als unsere deutschen Nachbarn uns ein kühles Bier spendieren, lehnen wir nicht ab und geniessen das kühle Getränk und die Aussicht. Die anderen Nachbarn sind Tschechen mit einem Faible für Modell-Wasserflugzeuge. Als eines kurz nach dem Start eine Bruchlandung hinlegt, zieht sich der ältere Herr bis auf die Unterhosen aus und watet ohne mit der Wimper zu zucken in den morastigen See um sein Baby zu retten.

Mängisch bruchts definitiv ke Fernseh.
Schlafplatz am See Bezdrev

Am nächsten Morgen ziehen Nebelschwaden über den See und wir beobachten beim Frühstück wie Fische nach Insekten jagend aus dem Wasser springen. Die Idylle wird einzig von der Nachricht getrübt, dass die Tschechische Republik auf die Risikoland-Liste des EDA gerutscht ist. Das Reisen in Corona-Zeiten ist hier übrigens ziemlich normal. Überall drinnen herrscht Maskenpflicht, ansonsten ist alles offen und funktioniert.


Wir brechen nach Kuttenberg (Kutná Hora) auf. Hier ist keine Burg das Wahrzeichen, sondern der Dom der heiligen Barbara. Die Siedlung entstand wegen des nahen Bergbaus, die danach entdeckte Silberlagerstätte trug seinen Teil zum Wachstum bei. Dies und das Silbermünzenprägungs-Museum erinnert uns an Potosí. Wie Potosí ist auch Kuttenbergs Stadtkern UNESCO-Welterbe. Es ist Sonntag und es ist wenig los in den kopfsteingepflasterten Gassen.

Ein wenig ausserhalb besuchen wir das Sedletz-Ossarium, ein Beinhaus unterhalb der Allerheiligen-Kirche. Die Gebeine und Schädel von tausenden Menschen (es sollen ca. 40'000 sein) sind zu Altären und künstlerischen Türmen aufgebaut. Ziemlich unheimlich.

Dom der heiligen Barbara in Kuttenberg
Eingang zum Sedletz-Ossarium - innen ist fotografieren nicht erlaubt

Bei immer wärmeren Temperaturen fahren wir nordwärts Richtung Prachauer Felsen (Prachovské skály). Auf dem Camping treffen wir einzig auf zwei Putzfrauen, die mit Händen und Füssen zu verstehen geben, dass sie nicht wissen was eine Nacht kostet und wir uns einfach mal hinstellen sollen. Eine Stunde später kommt eine der beiden mit einem abgerissenen Zettel auf dem drei Zahlen geschrieben stehen zu uns und meint, dass sei der Tarif. Als wir nach dem Abendessen die Duschen und Toiletten um kurz nach 20 Uhr noch einmal aufsuchen wollen, sind diese abgeschlossen. Obwohl die bis 22 Uhr geöffnet sein sollten... da haben die beiden wahrscheinlich ein bisschen früher Feierabend gemacht.


Am nächsten Tag und nach dem Besuch der nun wieder offenen Dusch- und Toilettenhäuser gehen wir die wenigen Kilometer zu den Prachauer Felsen zu Fuss. Diese liegen in einem Naturreservat mit dem tollen Namen «Bohemian Paradise» oder Böhmisches Paradies. Die Sandsteinformationen ragen im Wald oft senkrecht in den Himmel und bieten ein eindrückliches Bild. Die Felsen werden oft auch von Kletterern genutzt, die ersten haben die Felsen 1907 erklommen.

Bei den Prachauer Felsen (Prachovské skály)
Die berühmtesten Formationen, welche auch als Logo dienen
Eindrückliche Türme

Weiter zieht es uns in den Norden, wo wir im St. Moritz der Tschechischen Republik eine Stippvisite einlegen. Spindlermühle (Špindlerův Mlýn) liegt auf 700 Meter über Meer und ist der beliebteste Wintersportort des Landes. Es wimmelt von einheimischen Touristen und Restaurants und Hotels reihen sich aneinander. Wir erblicken auch den höchsten Berg Tschechiens - die Schneekoppe (Sněžka). Das ist unser Ziel für den nächsten Tag.


Um auf den Berg mit einer Höhe von 1'603 Meter zu kommen, fahren wir nach Petzer (Pec pod Sněžkou), welches ein Tal östlich von Spindlermühle liegt. Auf der Parkplatzeinfahrt macht uns ein Mann darauf aufmerksam, dass die Gondelbahn, welche eigentlich bis auf den Gipfel führt, wegen Wind (68 km/h) heute nur die Mittelstation bedient. Obwohl es unser Plan war, rauf zu gehen und runter zu fahren, wandern wir los.


Nur ganz leicht ansteigend führt der Weg dem glasklaren Bach folgend ins Tal hinein - vorbei an Kühen, Lamas, Ziegen und einigen Bergrestaurants, welche zum Verweilen einladen

würde - wü mir si ja ersch gstartet.

Die Schneekoppe ähnelt von hier aus gesehen einer Pyramide, was in der Vergangenheit der Grund für etliche Lawinen und Erdrutsche war. So wurden ganze Dörfer ausgelöscht und nur noch wenige alte Gebäude erinnern an früher. Als es nach einem dieser übriggebliebenen kleinen Häuschen, welches zum Mini-Museum umfunktioniert wurde, steiler wird, begegnen wir immer mehr Menschen.


Stetig führt der Weg nach oben und auf dem ersten Plateau begrüsst uns neben dem starken Wind eine richtige Menschenansammlung. Von Polen her führt eine Seilbahn bis zu diesem Punkt, was der Grund für die Masse an Menschen sein muss. Zum Gipfel sind es noch einige Höhenmeter, welche auf einem breiten und gut begehbarem Weg zurückgelegt werden. Es herrscht Einbahnverkehr... Oben angekommen, bläst uns der Wind beinahe vom Gipfel. Dieser besteht hauptsächlich aus einem Haufen grau-brauner Steine. Gepaart mit dem geschlossenen Restaurant wirkt es ein wenig trostlos. Wir können uns nicht vorstellen, wie viele Leute an einem Tag hier oben verweilen, an dem die Gondelbahn von tschechischer Seite bis nach oben führt.

Aussicht beim Aufstieg
Die letzten Meter zum höchsten Gipfel der Tschechischen Republik
Extrem windig und kalt ist es auf der Schneekoppe

Auf dem Weg in die Mittelstation begegnen wir noch mehr Menschen. Oft macht es den Anschein, als würden diese Menschen den Weg nicht ganz freiwillig gehen. In der Station angekommen, lassen wir uns bequem nach unten transportieren.


Am Morgen haben wir gelesen, dass die Tschechische Republik ihren Gesundheitsminister entlassen hat. Wir entschliessen, das Land nach Polen zu verlassen und fahren direkt nach einem verdienten Mittagessen in Petzer über die Grenze.

83 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen

Polen

Weiter geht's?